6. Netzwerkveranstaltung: “Jeder lebt gerne dort, wo seine Meinung zählt.”
Lifehacks
/Tipps für eine erfolgreiche Bürgerbeteiligung

In der 6. Online-Veranstaltung des Netzwerks Digitale Dörfer RLP im Dezember 2021 ging es um die Erfolgsfaktoren für eine langfristige, wirksame uns zielgerichtete Bürgerbeteiligung. Nachdem verschiedene Mitglieder*innen beim letzten Treffen ihre Praxisbeispiele vorgestellt hatten, vertiefte Kristina Oldenburg von KOKONSULT mit einem Expertenvortrag das Thema Bürgerpartizipation. Denn: Oft wird in der Praxis die meiste Zeit darauf verwendet, die Tools für die Befragung festzulegen und die Befragung durchzuführen. Der konzeptionelle Teil ebenso wie die Nachbereitung, die über den langfristigen Erfolg bzw. Misserfolg entscheiden, kommen im Verwaltungsalltag nicht selten zu kurz. 

Wir haben noch einmal zusammengefasst, worauf es bei einer erfolgreichen Beteiligung ankommt: 

  • In der Konzeptionsphase multiple Perspektiven (nach Da Vinci) einnehmen: Ein vollständiges Verständnis für ein Thema für das Bürger*innen beteiligt werden sollen, kann erst entstehen, wenn man sich in mindestens drei verschiedene Perspektiven versetzt. Dazu müssen verschiedene Personengruppen zunächst einzeln betrachtet werden. Erst anschließend kann das Ergebnis als Synthese zusammenfasst werden. Dafür kann es hilfreich sein sich klar zu machen, in welcher gesellschaftlichen Lage in Bezug auf Lebensauffassung und Lebensweise sich die Akteur*innen befinden (Stichwort Sinusmilieu).
     
  • W-Fragen im Vorfeld stellen und beantworten: Eine klare Definition und Ausformulierung der Aufgabenstellung ist unabdingbar, denn je nach Fragestellung kreiert man unterschiedliche Auffassungen und damit auch Antworten (Achtung vor selbsterfüllenden Prophezeiungen). Dazu ein Beispiel: Frage ich in Sachen Mobilität danach, wie Wege mit dem Auto vermeiden werden können, findet bereits eine Fokussierung auf den Bereich PKW statt und wertvolle Lösungsansätze werden durch die Fragstellung möglicherweise bereits ausgeschlossen. Daher empfiehlt es sich durch die Beantwortung der W-Fragen Klarheit über die Aufgabenstellung zu erlangen. 
    • Wer? Einzelpersonen und Zielgruppen ausfindig machen anstatt “alle” zu befragen, Akteurs-Mapping vornehmen, gezielt adressieren 
    • Was? Welche Erfordernisse, Vorteile und Nutzen bieten bestimmte Strategien? 
    • Wann? Festlegung des idealen Zeitpunkts (Frage nach Veranstaltungen in Zeiten von Corona als Negativbeispiel), der Fristen (was ist realistisch) und Daten. Wann kann mit Ergebnissen gerechnet werden? 
    • Wo? Online-Talkrunde, Fragebogen (analog/digital) oder ein Treffen in Präsenz, in welcher Location, wie kann man der Fragestellung einen passenden Raum geben? 
    • Warum? Was ist der Hintergrund? Wie kann man der Sache einen Sinn geben, was sind die Quick-Wins für die Beteiligten? 
  • Langfristige Beziehungen gestalten; Beteiligung ernst meinen: Bürgerbeteiligung schließt nicht damit ab, den Bürger/die Bürgerin nach seiner/ihrer Meinung zu fragen.  Vielmehr bedeutet Beteiligung eine langfristige, ernst gemeinte Beziehung zu den Bürger*innen über einen längeren Zeitraum aufzubauen und Raum für eine Feedbackkultur zu gestalten. Nachhaltigkeit ist hier das Gebot. Daher ist die Kommunikation während und nach des Befragungsprozesses erfolgsentscheidend.  
  • Kommunikation ist alles: Die Form der Kommunikation ist entscheidend. So wird bspw. kurzfristiger Verlust wesentlich schlimmer wahrgenommen, als die langfristigen Vorteile, die durch eine Veränderung entstehen (Verlust wird als fünfmal schlimmer empfunden). Z. B. bei der Verlegung von Breitband regen sich Personen mehr über die Baustelle auf, als den Nutzen durch die schnelle Leitung zu schätzen. 
    • Daher ist auch eine Rückmeldung an die Teilnehmer*innen wichtig. Was passiert mit den Ergebnissen der Beteiligung? Die Bürger*innen müssen erleben, dass es sinnvoll war, sich einzubringen. Die Ergebnisse sollen transparent und nachvollziehbar sein. Dies zeigt, dass das Thema ernst genommen wird und die Beteiligung auch wirklich zählt! Nach Worten müssen auch Taten folgen. Und die sollten auch kommuniziert werden. 
    • Interne Kommunikation in der Verwaltung: Ist Beteiligung hier nur eine verpflichtende Checkliste, die abgearbeitet wird oder möchte man tatsächlich ins Gespräch kommen? Wie Beteiligung innerhalb der Verwaltung gelebt wird, spiegelt sich auch nach außen. Erfolgreiche Bürgerbeteiligung setzt interne Beteiligungskultur voraus. 
    • Kommunikation muss klar verständlich und positiv formuliert sein. Ein Fokus auf maximal drei Fakten ist zu empfehlen, da man im Durchschnitt nicht mehr aufnehmen kann. 

Unsere nächste Veranstaltung wird am 08.02.2022 stattfinden und wir schauen uns die Umfrageergebnisse unserer Befragung zu den „Kommunalen Digitalisierungsbeauftragten“ an. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen an der Online-Veranstaltung teilzunehmen.

Neue Mitglieder:innen sind jederzeit herzlich willkommen. Hierzu stehen die Netzwerkkoordinatorinnen gerne zur Verfügung: hallo@digitaledoerfer-vernetzt.de